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9 ethische Grundsätze

9 ethische Grundsätze

Die Ethischen Grundsätze basieren auf vorhandenen Werten und versuchen, Orientierungshilfen für ein vertrauensvolles Miteinander von Mensch und Pferd in der heutigen Zeit zu geben.
Jeder Pferdefreund wird für die Verwirklichung der ethischen Grundsätze eigene Wege finde müssen. Zu unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen und Lebensbereiche, um einfache allgemein gültige Lösungsmöglichkeiten aufzeigen zu können.
Die vorliegenden neun Ethischen Grundsätze sowie deren Erläuterungen sollen dem Ziel dienen, in Zeiten eines Wertwandels das Bewusstsein des Menschen für die besondere Verantwortung dem Pferd gegenüber zu schärfen.

Die Ethischen Grundsätze

1. Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.
Achtung und Respekt des Menschen vor seinem Sport-,Freizeit- und Arbeitspartner Pferd sowie
Verständnis für das Pferd sind die Grundvoraussetzungen für ein harmonisches Verhältnis miteinander.

2. Die Haltung des Pferdes muss seinen natürlichen Bedürfnissen angepasst sein.
Verantwortung für das Pferd übernehmen, setzt umfangreiche Kenntnisse über dessen natürliche
Bedürfnisse und Verhaltensweisen voraus.
Der gesamte Organismus des Pferdes ist auf Bewegung und kontinuierliche Futteraufnahme eingestellt. Auch darf nicht vergessen werden , dass das Pferd in Schrecksituationen als Fluchttier reagiert , dies ist für das einstige Steppentier ein lebenswichtiger Instinkt.
Der Stall sollte gut belüftet und hell sein. Das Pferd ist ein Herdentier und benötigt Kontakt zu seinen Artgenossen.
Die Fütterung des Pferdes soll sich individuell an der Haltungsform, dem Entwicklungszustand,
der Konstitution sowie an dem Maß der Beanspruchung des Pferdes orientieren.

3. Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.
Wirtschaftliche Interesse des Züchters,Aufzüchters und Pferdehalters dürfen nicht zu Lasten der Haltung und natürlichen Körperlichen Entwicklung des jungen Pferdes gehen.
Das Streben des Sportlers nach Sieg und Platzierung muss hinter der Gesundheitsvorsorge
und Gesunderhaltung des Pferdes zurückstehen.

4. Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig dessen Rasse, Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit oder Sport.
Jedes Pferd hat den gleichen Anspruch auf fürsorgliche Pflege und pferdegerechte Haltung.

5. Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seine Bedürfnisse, sowie die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu überliefern.
Jeder Einzelne der sich mit dem Pferd beschäftigt sollte im Sinne des Pferdes nach den Ethischen Grundsätzen handeln und sie vorleben.

6. Der Umgang mit dem Pferd hat eine persönlichkeitsprägende Bedeutung gerade für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets zu achten und zu förden.
Der Anfänger im Pferdesport lernt bei fachlicher Anleitung durch Lehrkräfte , Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen zu übernehmen und die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes zu akzeptieren. Deshalb sucht der Reiter Fehler nicht zunächst beim Pferd , sondern bei sich selbst. Die Erziehung zu Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung macht den pädagogischen wert aus. Toleranz und Rücksichtnahme sind die Grundvoraussetzungen für die gemeinschaftliche Ausübung des Pferdesports.

7. Der Mensch , der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.
Solange der Mensch des Pferdesport ausübt, besteht die Verpflichtung zu Aus-und Fortbildung.
Das Ziel aller Ausbildung ist nicht das Beherrschen schwieriger Übungen, sondern die harmonische Übereinstimmung zwischen dem Menschen und seinem Pferd,unabhänig davon ob das Pferd im Leistung- oder Freizeitbereich eingesetzt wir.
Selbstkritik des Menschen ist im Umgang mit dem Pferd die Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Pferd.
Fehlentwicklungen in der Gymnastizierung , Aus- und Fortbildung des Pferdes verursacht der Mensch. Vermeintliche charakterliche Mängel des Pferdes gehen oft auf falsche Behandlung des Pferdes zurück und dürfen zwar als Erklärung, nicht aber als Entschuldigung für Scheitern einer Beziehung zwischen Mensch und Pferd herangezogen werden.
Fehler in der Ausbildung werden in der Regel weniger durch angeborene Mängel verursacht als durch fehlerhafte Einwirkung des Reiters.

8. Die Nutzung des Pferdes im Reit -, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden.
Voraussetzung für alle sportliche Nutzung und deren Grenzen muss die erwiesene Eignung des Pferdes für den jeweiligen Zweck sein. Von einem Pferd Leitsung zu verlangen,die es nicht erbringen kann , widerspricht ethischem Bewusstsein und ist tierschutzwiedrig.

9. Die Verantwortung des Menschen für das ihm anvertraute Pferd erstreckt sich auch aus das Lebensende des Pferdes. Dieser Verantwortung muss der Mensch stets im Sinne des Pferdes gerecht werden.
Am Ende einer Beziehung zwischen Mensch und Pferd beweist sich das Verantwortungsbewusstsein dem Lebewesen Pferd gegenüber. In der Abwägung zwischen Leid und Leben muss der Mensch auch diese letzte Entscheidung übernehmen.
Hat der Pferdebesitzer sich zur Tötung seines Pferdes entschlossen, ist er oder eine Person seines Vertrauens verpflichtet, den Verbleib des Pferdes bis zum Tode zu überwachen. Hierbei sind Transportumstände und die Art der Tötung so zu wählen, dass ein unnötiges Leid des Pferdes vermieden wird.